Erhebungen

Repräsentative Erhebungen

Deutschland-Erhebung 2008

2008 wurde die erste große Repräsentativerhebung durchgeführt. Die Erhebung war Teil des Projekts Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Universität Mannheim, das von der Volkswagen-Stiftung gefördert wurde. Es wurden 2004 Menschen in Deutschland ab 18 Jahren zu über 40 sprachlichen Fragen befragt. Die telefonische Befragung wurde durch die Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Themen der Befragung waren u.a. die Bewertungen der deutschen Sprache und einiger Dialekte, die Einstellungen zu Mehrsprachigkeit und zu Sprachrichtigkeit. Einen Überblick über die Erhebung bieten Eichinger et al. (2009) sowie Görtig & Rothe (2009), detaillierte Ergebnisse liefern Gärtig, Plewnia & Rothe (2010); zu Einzelaspekten Plewnia & Rothe (2009) und Plewnia & Rothe (2010); zu weiteren Projektergebnissen Eichinger et al. (2012).

Norddeutschland-Erhebung 2016

2016 wurde im Teilprojekt „Sprachlagengefüge in Norddeutschland“ in einer Kooperation mit dem Institut für niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen eine repräsentative Erhebung durchgeführt, um Kompetenz und Gebrauch des Niederdeutschen sowie Einstellungen zu den verschiedenen Sprachen und Varietäten in Norddeutschland zu erheben; per Telefon wurden durch die Forschungsgruppe Wahlen 1632 Menschen ab 16 Jahren befragt (s. Adler et al. 2016 ).

Deutschland-Erhebung 2017

Eine neue bundesweite Repräsentativerhebung hat das IDS im Herbst/Winter 2017/18 in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Rahmen der Innovationsstichprobe des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP-IS) des DIW durchgeführt. Darin werden einerseits die tatsächlichen Sprachverhältnisse, andererseits wiederum Spracheinstellungen abgefragt. Die Deutschland-Erhebung 2017 besteht aus zwei Teilen, zum einen aus einem direkten Interview (CAPI, computer assisted personal interview) und zum anderen aus einem Onlinefragebogen (CAWI, computer assisted web interview).

Im ersten Teil der Deutschland-Erhebung 2017 geht es insbesondere darum, das Sprachrepertoire der Befragten zu erheben (Erstsprache(n), Fremdsprachenkenntnisse, Dialektkompetenz); hinzu kommt ein Fragenset zu Einstellungen gegenüber Sprachen und Dialekten des Deutschen. Der zweite Teil der Deutschland-Erhebung (Onlinefragebogen) ist erheblich umfangreicher, darin werden etwa vierzig Fragen gestellt zu Einstellungen gegenüber dem Deutschen, zu regionalen Varietäten, zu anderen Sprachen, außerdem Fragen zu Mehrsprachigkeit, zu Leichter Sprache, zu Bewertungen von Sprachrichtigkeit, zu Sprachvariation und zur Entwicklung des Deutschen.

Das SOEP eignet sich besonders gut, um unsere Erhebungsinstrumente einzusetzen, da es einerseits eine ausgewogene repräsentative Stichprobe der deutschen Wohnbevölkerung darstellt und andererseits ermöglicht, viele Korrelationen mit anderen – auch längsschnittlich vorhandenen – soziodemographischen, ökonomischen und psychologischen Variablen zu berechnen; für die Sprachwissenschaft ist ein solcher Datensatz bislang singulär.

Folgende Publikationen bieten einen Überblick und erste Ergebnisse der Deutschland-Erhebung: Adler 2019a, 2019b, Adler & Hansen 2020, Adler & Plewnia 2018, 2019.

Weitere Erhebungen

Außerdem wurden weitere ergänzende und vertiefende Befragungen durchgeführt, z.B. mit Schülern, Studierenden und im Rahmen von Kindergärten mit Erziehern und Eltern. Die zum Teil mehrsprachigen Schüler wurden 2010 und 2011 u.a. zu Einstellungen gegenüber Deutsch und anderen Sprachen befragt (N=628, 9. und 10. Jahrgangsstufe, in Mannheim, Steinburg und am Niederrhein; s. z.B. Plewnia/Rothe 2012 und Rothe 2012). Die Studierenden wurden 2010 und 2011 insbesondere zu ihren Einstellungen zu deutschen Dialekten befragt; in dieser Studie kam auch das Instrument der mental maps zum Einsatz, um die mentalen Sprachräume der befragten Studierenden zu erfassen (N=430, in Bielefeld, Köln, Leipzig und Mannheim; s. Plewnia/Rothe 2012 und Plewnia 2013). Im Winter 2011/12 wurde in Kooperation mit dem Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache eine Befragung in einigen deutschen, z.T. mehrsprachigen, Kindergärten zu Einstellungen zu Mehrsprachigkeit durchgeführt (s. Rothe/Wagner 2015).