Türen auf mit der Maus!

Am 3. Oktober 2022 öffnete das IDS seine Türen für junge Sprachinteressierte.

Was ich schon immer wissen wollte...

Türen auf mit der Maus!

Dabei konnten die Kinder eigene Fragen zur deutschen Sprache stellen.

Türen auf mit der Maus

Das Organisationsteam und die Maus danken allen Kolleginnen und Kollegen für die spannenden Stationen!

Das Team des Projektes "Sprachanfragen" organisierte 2022 die Teilnahme des IDS am Aktionstag des WDR "Türen auf mit der Maus". Im Rahmen des Projekttages haben wir für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren unter dem Motto „Spannende Verbindungen“ Türen in die Welt der deutschen Sprache geöffnet. Wir haben mit unterhaltsamen Spielen an sieben Stationen Fragen rund um die deutsche Sprache gemeinsam erkundet.

Hier beantworten wir eure Fragen vom Maustag

J. (9 Jahre alt) fragt: Woher kommen die Umlaute ä, ö, und ü?

Lieber J.,
vielen Dank für deine spannende Frage! Kennst du die Märchen „Hänsel und Gretel“ und „Tischlein deck dich“? Oder „Der Froschkönig“? Diese und viele, viele andere Märchen stammen von den Brüdern Grimm – Jacob und Wilhelm Grimm. Die Brüder Grimm waren aber nicht nur die bekanntesten Märchensammler, sondern auch Sprachwissenschaftler. Sie zählen zu den Vätern der Germanistik und sind Autoren und Herausgeber des größten und umfassendsten Wörterbuchs des Deutschen – des „Grimmschen Wörterbuchs“. Jacob Grimm war es, der Anfang des 19. Jahrhunderts den Begriff „Umlaut“ eingeführt hat, und zwar als Fachbegriff „für jede wandlung des vocals einer wortwurzel, d. h. auch für 'ablaut, brechung'“ – so steht es wortwörtlich im „Grimmschen Wörterbuch“.

Die Umlautbuchstaben ä, ö und ü, so wie wir sie heute kennen, sind aus der Kombination des lateinischen Buchstabens und einem den Umlaut anzeigenden e (ae, oe, ue) entstanden. Bereits im 15. Jahrhundert hat man über oder hinter den Buchstaben a, o oder u ein „e“ gesetzt, um deutsche Laute abzubilden, für die kein entsprechender Buchstabe im lateinischen Alphabet zur Verfügung stand. So schrieb man bis zum 18. Jahrhundert, bis irgendwann daraus zwei Punkte über a, o und u entstanden sind. Die Herkunft der Umlautbuchstaben ist im heutigen Schreibgebrauch noch erkennbar, insbesondere bei historischen Ortsnamen wie zum Beispiel Uelversheim in Rheinland-Pfalz und bei Familiennamen wie Goethe oder Baerbock.

Mit dem Umlaut werden neben dem Numerus (Bruder – Brüder) und der Komparation (klug – klüger) auch Wortbildungsprozesse markiert. Ein paar weitere Beispiele findest du in grammis:

https://grammis.ids-mannheim.de/terminologie/406

G. (6 Jahre alt) fragt: Warum heißt es "Busse" und nicht "Büsse"? Es heißt doch "Nuss" und "Nüsse"?

Liebe G.,
bereits mit 6 Jahren hast du eine sehr schöne Entdeckung gemacht und zwar, dass die Bildung der Mehrzahl im Deutschen unterschiedlichen Mustern folgt. Nur Wörter mit ähnlichen grammatischen Eigenschaften gehören in eine Gruppe und bilden auch die Mehrzahl gleich. Die Sprachwissenschaftler sprechen in solchen Fällen von Deklinatonsklassen von Substantiven, aber Du kannst Dir auch einfach einen großen Obstgarten vorstellen, wo Äpfel und Birnen in Kisten sortiert werden. Äpfel gehören nicht in dieselbe Kiste wie Birnen, weil Birnen eine andere Form haben und gar nicht so knackig sind wie Äpfel. So unterscheiden sich Äpfel und Birnen in ihren Eigenschaften.

Ähnlich ist es mit Wörtern: Die Wörter „Bus“ und „Nuss“ hören sich zwar sehr ähnlich an, haben aber unterschiedliche grammatische Eigenschaften und gehören nicht in dieselbe Kiste.

Ich kann Dir helfen, diese Eigenschaften sichtbar zu machen.

  1. Du sagst, „DER Bus“ und „DIE Nuss“: DIE-Wörter liegen sehr ungern in derselben Kiste mit DER-Wörtern und DAS-Wörtern – das ist die erste wichtige Unterscheidung.
  2. In einem internationalen Kalender findest Du für fast jeden Tag einen Feiertag. So feiert man „den Tag DES BussES“ (in Japan), aber „den Tag DER Nuss“ (in Großbritannien) – das Wort „Buss“ kriegt in diesem Beispiel die Endung „es“, das Wort „Nuss“ kriegt keine.
  3. Außerdem ist das Wort „Nuss“ viel älter als das Wort „Bus“; es wurde schon im Althochdeutschen verwendet, da gab es ja noch keine Busse. Das Wort „BUS“ kommt erst Anfang des 20. Jahrhunderts ins Deutsche: Es wird von dem lateinischen „omnibus“ abgeleitet, was „für alle“ bedeutet.

Wie du siehst, kann man die Wörter „Bus“ und „Nuss“ nicht in eine Kiste legen und Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Daher sagen wir „ein Bus“ und „zwei Busse“ und „eine Nuss“ und „zwei Nüsse“!

Noch mehr Information über Flexionsklassen der Nomina finden deine Mama und dein Papa auf grammis:

https://grammis.ids-mannheim.de/progr@mm/4064

A. (10 Jahre alt) fragt: Was ist das längste Wort mit dem Buchstaben „E“?

Liebe A.,
deine Frage nach dem längsten deutschen Wort mit dem Buchstaben „E“ ist ja sehr schön! Soll das Wort mit dem Buchstaben „E“ anfangen? Lass uns zusammen suchen: Ich helfe dir gern und recherchiere für dich in der digitalen Datenbank der Duden-Redaktion, da wo neue Wörter erstmal gesammelt werden. Sie stehen noch nicht im Rechtschreibduden, sind aber schon mal auf der sogenannten „Kandidatenliste“, da sie mindestens 5 Mal in unterschiedlichen Quellen erwähnt wurden. Wenn die Wörter noch häufiger erwähnt werden, kommen sie in den Rechtschreibduden.

Der Listenführer ist das Wort:
„Rinderkennzeichnungsfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“
mit 79 Buchstaben.

Auf Platz 8 steht das Wort, das mit dem Buchstaben „E“ anfängt:
„Erdachsendeckelscharnierschmiernippelkommission“
mit 47 Buchstaben.

Ganz schön lang sind diese Wörter, aber nicht besonders häufig! Hier findest du die komplette Kandidatenliste der längsten Wörter im Dudenkorpus:
https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Die-langsten-Worter-im-Dudenkorpus

Das längste Wort, das in den Rechtschreibduden bereits aufgenommen wurde, ist etwas kürzer und besteht aus 44 Buchstaben: „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung“ (oder kurz ADHS). Es fängt aber nicht mit dem Buchstaben „E“ an, auch unter den 10 längsten Wörtern des Deutschen im Rechtschreibduden finden wir kein Wort mit dem Anfangsbuchstaben „E“…
https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Die-langsten-Worter-im-Duden

Suchen wir weiter? Das Wort, das es ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat, besteht aus 80 Buchstaben, fängt aber auch nicht mit „E“ an:
Donaudampfschifffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft (80 Buchstaben)

Das ist ein Kompositum (so wie alle anderen langen Wörter übrigens auch) – so nennt man Wörter, die aus mehreren Wörtern zusammengesetzt werden. Komposita haben eine Zauberformel: Sie können (fast) unendlich lang werden – so geht das:

  • Elefantenrüssel (15 Buchstaben)
  • Elefantenrüsselforschung (24 Buchstaben)
  • Elefantenrüsselforschungsförderung (34 Buchstaben)
  • Elefantenrüsselforschungsförderungsgesetz (41 Buchstaben)
  • usw.

Wir können damit auch weiterspielen, aber ich habe deine Frage noch nicht beantwortet: Wie heißt denn das längste deutsche Wort? Leider kann ich dir keine Antwort auf diese Frage geben, weil du vielleicht ausgerechnet in diesem Moment eine Idee hast, wie man unser letztes Wort mit 41 Buchstaben noch länger machen kann, indem du es Schritt für Schritt erweiterst? Ich bin mir sicher, du kannst das längste deutsche Wort mit dem Buchstaben „E“ selbst kreieren, auch wenn dieses Wort es nicht in die Duden-Datenbank schafft!

Über das Spiel mit den langen Wörtern kannst du unter dem Stichwort „Wortbildung durch Komposition“ in grammis nachlesen:

https://grammis.ids-mannheim.de/fragen/3018

N. (11 Jahre alt) fragt: Warum sprechen wir in Deutschland eigentlich Deutsch bzw. wer hat die deutsche Sprache erfunden?

Lieber N.,
vielen Dank für deine interessante Frage! Die meisten Sachen, sogar Ideen, hat jemand in der Tat erfunden. Aber für Sprachen gilt das in der Regel nicht. Genauer genommen unterscheiden wir zwischen sogenannten NATÜRLICHEN und KÜNSTLICHEN Sprachen. Künstliche Sprachen wie „Esperanto“ oder „Elbisch“ (als fiktive Elfensprache) hat in der Tat jemand, ob eine Person oder eine Gruppe von Personen, erfunden bzw. ausgearbeitet. Das muss sehr spannend gewesen sein, und vielleicht möchtest du auch selbst eine Sprache erfinden: Dazu musst du dir neue Wörter ausdenken, du musst dir Regeln ausdenken, wie man sie verbindet, und ganz wichtig, du musst die Sprache jemandem beibringen. Denn eine Sprache, die nur du allein sprichst, hilft dir wenig. Sprachen sind ja zum Kommunizieren da; wenn niemand deine Sprache versteht, kannst du auch mit niemandem kommunizieren.

Natürliche Sprachen haben sich von selbst im Laufe der Geschichte ENTWICKELT, und zwar dadurch, dass Menschen miteinander kommunizieren mussten. Sie mussten sich im Laufe der Zeit auf Wörter, grammatische Regeln usw. einigen. Und auch das taten sie nicht, indem sie darüber diskutiert haben, sondern ganz natürlich, wie auch im Spiel manchmal neue Regeln von selbst entstehen. Sprachen können sich entsprechend auch wie Spiele durch die Handlungen und Vorlieben der Sprecherinnen und Sprecher von selbst ändern. Nur langsamer, weil es in der Regel sehr viele Menschen gibt, die die Sprache sprechen.

Auch das Deutsche ist eine natürliche Sprache. Wir sprechen Deutsch, weil die Generation vor uns Deutsch gesprochen hat, wir sprechen aber ein wenig anders als sie. Und sie sprachen Deutsch, weil ihre Eltern Deutsch gesprochen haben, aber auch ein wenig anders. Und so kann man Schritt für Schritt in die Geschichte zurückgehen. Irgendwann ist die Sprache der Vorfahren und die Sprache, die wir heute sprechen, durch kleine Veränderungen schon so unterschiedlich, dass man die Sprache der Vorfahren nicht mehr verstehen kann. Zum Beispiel würdest du heute das Althochdeutsche, das man vor mehr als 1000 Jahren hier gesprochen hat, nicht mehr verstehen. Wie groß das Territorium, wo das Althochdeutsche gesprochen wurde, genau war, lässt sich nicht zu 100 % eindeutig rekonstruieren. Denn Bevölkerungsgruppen, die die gleiche Sprache gesprochen haben, haben sich im Laufe der Geschichte auch bewegt. So erklärt sich, dass wahrscheinlich vor mehreren 1000 Jahren die Vorfahren vieler Sprachen aus Europa und Asien noch dieselbe Sprache sprachen: Indoeuropäisch.

D. (19 Jahre alt) fragt: Wie hat es sich entwickelt, dass in der deutschen Sprache Wörter zum Teil Geschlechter haben (der, die, das). Während in anderen Sprachen wie z.B. Englisch oder Finnisch alles geschlechtslos ist?

Lieber D.,
das ist eine sehr gute und sehr spannende Frage! Wenn du das ganz genau wissen möchtest, solltest du vielleicht Sprachwissenschaft studieren. In der vergleichenden Sprachwissenschaft oder Typologie werden genau solche Fragen besprochen. Wenn du aber mit dem Studium anfängst, wirst du bereits ganz am Anfang lernen, dass es sich bei der Entwicklung von Sprachen um sehr komplexe Phänomene handelt, die man nicht leicht erklären kann.

Geschlecht (Genus) ist ein weit verbreitetes Phänomen. Das Deutsche unterscheidet zwischen drei Genera (Maskulinum, Femininum, Neutrum), aber in einigen Sprachen gibt es weniger (nur Maskulinum und Femininum) oder mehr Genera (zum Beispiel Maskulinum, Femininum, belebt, unbelebt) als im Deutschen. Es gibt auch sehr viele Sprachen, in denen es gar kein Genus gibt (Türkisch, Finnisch, Ungarisch). Dann gibt es Sprachen, in denen es zwar ein Genus gibt, aber nur in bestimmten Bereichen, wie etwa im Englischen, das bei den Pronomen in der 3. Person Singular zwischen er, sie und es unterscheidet.

Warum sind Sprachen diesbezüglich so unterschiedlich? Leider kann man das nur ganz allgemein beantworten: Sprachen sind in sehr vielen Hinsichten sehr unterschiedlich und das Genus gehört nun mal dazu. Das hat meistens historische Gründe, die man im Einzelfall rekonstruieren kann.

Das Wichtige ist aber, dass das Genus eigentlich ganz wenig mit dem natürlichen Geschlecht zu tun hat, sondern eher mit der Übereinstimmung grammatischer Merkmale innerhalb einer Nominalphrase. So kann man mithilfe des Genus gut erkennen, welche Wörter zusammengehören, zum Beispiel im Satz:

Eine den kleinen Elefanten jagende Katze hat die Maus verärgert.

Andere Sprachen, die kein Genus haben, müssen auf andere grammatische Tricks zurückgreifen, damit solche komplexen Ausdrücke leicht verständlich sind. Auch kann das Genus dazu dienen, den Wortschatz in unserem Kopf zu strukturieren und uns dadurch das Sprechen und Lesen zu erleichtern.

J. (9 Jahre alt) fragt: Wenn die Maus reden könnte, würde sie dann viel reden?

Lieber J.,
die Maus kann vielleicht nicht mit Worten reden, aber sie kommuniziert mit ihren Freunden, insbesondere mit dem Elefanten, ganz schön viel. Woher wissen wir das? Sie verstehen einander in vielen Situationen, sie können zusammenarbeiten. Sie können auch schon mal gemeinsam ein Bild malen oder betrachten. Die Maus schafft es sogar, durch geschickte Mimik, Gestik oder sogar durchs Malen und durch Performanz ihre Emotionen und zum Teil Gedanken auszudrücken. Aber es ist ganz schön mühsam, ein Märchen oder eine Geschichte ganz ohne Worte zu erzählen. Und die Maus tut es doch, so gut sie es kann. Was meinst du? Würde jemand, der auch ohne Worte so viel kommuniziert, sich so sehr bemüht, verstanden zu werden, jemals aufhören zu reden, wenn sie es könnte?

Aber andererseits – so wie es ist, ist es vielleicht spannender. Schließlich können wir alle darüber rätseln, was die Maus eigentlich meint, wenn sie dies oder jenes auszudrücken versucht. Nur ihre besten Freunde verstehen sie ganz genau.

L. (10 Jahre alt) fragt: Warum gibt es in der Grammatik Formen und Regeln, die im Alltag nie benutzt werden (Aktiv: Sie ruft mich. Passiv: Ich werde von ihr gerufen.)?

Liebe L.,
vielen Dank für deine Frage zur Grammatik des Deutschen! Wahrscheinlich bezieht sich deine Frage auf den Deutschunterricht in der Schule, wo du ab und zu grammatische Übungen machen musst, z. B. wie man einen Aktiv-Satz (wie „Sie ruft mich.“) in einen Passiv-Satz korrekt umwandelt. (Da hast du auf jeden Fall alles richtig gemacht!). In der Grammatik geht es aber nicht immer nur um die Bildung korrekter Formen, sondern auch um die Funktion und um den Anwendungsbereich grammatischer Strukturen.

Du meinst, Passiv-Sätze seien im Alltag eher ungebräuchlich? Zum Teil stimme ich dir zu, denn das Aktiv ist im Deutschen häufiger als das Passiv. Manche Verben sind gar ungeeignet, um das Passiv zu bilden: („Es regnet.“ ist richtig, aber „Es wurde geregnet.“ ist falsch!)

Aber Sprache ist nicht nur für den Alltag da, bzw. der Alltag unterschiedlicher Leute gestaltet sich sehr unterschiedlich. Einige Leute müssen sich in ihrem beruflichen Alltag mit sehr komplexen Sachverhalten beschäftigen (z. B. Juristen, Forscher, Steuerberater, Verwaltungsangestellte usw.) und greifen entsprechend grammatische Strukturen auf, die andere in der Tat seltener benutzen. Das Passiv gehört auch dazu. Sprache begegnet uns überall und wenn du aufmerksam liest, wirst du merken, dass bestimmte Textsorten ohne Passiv gar nicht auskommen: Zum Beispiel nutzen üblicherweise öffentliche Einrichtungen (wie Schulen, Bibliotheken oder Schwimmbäder) die Unpersönlichkeit des Passivs bei solchen Formulierungen wie:

  • Die Öffnungszeiten werden durch Aushang und im Internet bekanntgegeben.
  • XY kann aus besonderen Gründen zeitweilig geschlossen werden.

Passiv-Sätze findest du auch in einem Lexikonartikel; sie sind für Definitionen besonders geeignet:

Auch du oder deine Freunde verwenden Passiv-Sätze ganz sicher manchmal. Wenn ihr, zum Beispiel, gar nicht wisst oder es ganz egal ist, wer etwas getan hat; mit anderen Worten: Wenn das Subjekt weniger wichtig ist als das Objekt.

  • Meine Mutter wurde befördert.
  • Hilfe! Meine Freundin wurde in der Straßenbahn bestohlen!
  • L., schau mal, deine Frage wurde beantwortet!

Noch mehr über das ungleiche Paar Aktiv und Passiv kannst du in grammis nachlesen:

https://grammis.ids-mannheim.de/systematische-grammatik/928

N. (11 Jahre alt) fragt: Warum haben wir das Plusquamperfekt, wenn es nie benutzt wird?

Lieber N.,
vielen Dank für deine Frage über das Plusquamperfekt im Deutschen! Meinst du, dass diese Zeitform „am Aussterben ist“ oder ist sie bereits „tot“? Wir finden es zusammen heraus!

Erst einmal, was ist das überhaupt für eine Form und wofür dient sie im Deutschen: Das Plusquamperfekt (auch „Präteritumperfekt“ in der Duden-Grammatik und grammis genannt) ist eine zusammengesetzte Tempusform, die aus dem finiten Verb „haben“ oder „sein“ im Präteritum und dem Partizip Perfekt des Vollverbs gebildet wird (z.B. „Ich hatte es nicht gewußt.“ oder „Er war gestern abgereist.“). Neben dem Präteritum ist das Plusquamperfekt das erzählende Tempus im Deutschen. Deshalb kann man annehmen, dass das Plusquamperfekt als ein Signal für Vorzeitigkeit häufig in Büchern vorkommt, in denen die Handlung im Präteritum erzählt wird.

Dass diese Tempusform veraltet ist, widerlegen tausende Zeitungsbelege sowohl aus Deutschland als auch aus der Schweiz und Österreich. Hier habe ich für dich einen der neueren Zeitungsbelege aus dem Jahr 2021 ausgesucht, in dem es um Fußball geht:

Die Deutschen hatten gewusst, wie sehr es auf Pass- und Ballsicherheit ankommt. Auch auf die Chancenverwertung. (Hannoversche Allgemeine, 22.01.2021, S. 12)“

Und das ist noch nicht alles: Soll ich Dir etwas verraten, was in der Schule nicht unterrichtet wird, weil es nicht zum Tempussystem des Standarddeutschen gehört? In der alltäglichen inoffiziellen mündlichen Kommunikation kann sogar das Doppel-Plusquamperfekt verwendet werden! Hast du solche Sätze schon mal gehört?

  • Ich hatte noch nie davon gehört gehabt!
  • Da hatte sie ihren Geldbeutel verloren gehabt.

Dabei bildet das Hilfsverb „haben“ als „hatte gehabt“ eine sogenannte „Verbalklammer“, zusammen mit „eingeplant“, dem Partizip II des Vollverbs. Sprachwissenschaftler nennen solche Vergangenheitsformen „superkomponierte Formen“ oder auch „doppelte Perfektformen“. Verbreitet sind sie in den oberdeutschen Dialekten, aber auch in den ost- und westmitteldeutschen. Schriftsprachliche Verwendungen sind vergleichsweise (noch) selten. Hier ist sind zwei Zeitungsbelege:

  • Zunächst hatte Regisseur Carol Reed symphonische Musik eingeplant gehabt, aber weil ihm Karas' Klang so gefiel, hat er während der Postproduktion umdisponiert. (Die Presse, 06.07.2016)
  • Meines Erachtens hätte Kuhn in beiden Spielen andere Leute bringen müssen. Spätestens gegen die Türken wäre der Zeitpunkt gekommen gewesen, Barnetta zu ersetzen. (Die Südostschweiz, 14.06.2008)

Wenn du weitere Beispiele für das Plusquamperfekt und für „superkomponierte Formen“ suchst, wirst du auf grammis fündig: https://grammis.ids-mannheim.de/progr@mm/5254

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