Grammatische Strukturen im gesprochenen Deutsch

Projektteam

Projektbeschreibung

Bislang erfolgt die Erkenntnisgewinnung zur grammatischen Struktur des Standarddeutschen ganz überwiegend anhand geschriebener Sprache. Seit Jahrzehnten spielen standardnahe Varietäten des Deutschen aber auch in der Mündlichkeit eine immer größere Rolle. Sie erleben also eine Domänenausweitung und werden zunehmend muttersprachlich erworben (mit Auswirkungen auf ihre Struktur, Pröll 2020). Diese Entwicklungen sind gewissermaßen die andere Seite der Medaille des Rückgangs stärker regional gebundener Sprachformen.

Ziel des Projekts „Grammatische Strukturen im gesprochenen Deutsch“ ist die adäquate Beschreibung der Grammatik dieser gesprochenen standardnahen Varietäten. Dabei geht es auch um die übergreifende Frage nach der Uniformität der Grammatik bzw. der Grammatiken geschriebener versus gesprochener Sprache nach. Das Projekt orientiert sich am Konzept des „mündlichen Gebrauchsstandards“ (Deppermann/Kleiner/Knöbl 2013), wobei die Beschreibung kontrastiv zum geschriebenen Deutsch erfolgt und auf die Ergebnisse des Projekts Korpusgrammatik als Vergleichsstandard zurückgreift.

Im Rahmen des Projekts sollen die Großbereiche des Verbalsystems, Nominalsystems und der Satzsyntax jeweils anhand exemplarischer Phänomene untersucht werden. Eine wichtige Datengrundlage bilden die Korpora des Archivs für Gesprochenes Deutsch, z. B. das Forschungs- und Lehrkorpus gesprochenes Deutsch (FOLK), das in der Abteilung Pragmatik aufgebaut wird. Bei der korpuslinguistischen Analyse kann das Projekt dabei die methodischen Kompetenzen (u.a. in Hinblick auf statistische Verfahren) einbringen, die im Rahmen des Projekts Korpusgrammatik entwickelt worden sind (Bubenhofer/Konopka/Schneider 2013, Hansen-Morath/Wolfer 2017, Fuß/Konopka/Wöllstein 2019). Zudem kooperiert es eng mit dem Projekt Methoden der Grammatikforschung. Die Auswahl der Untersuchungsphänomene erfolgt in Abstimmung mit dem Projekt Grammatischer Wandel im neusten Deutsch.

Projektstart: 1.1.2022.

Kooperationen

Das Projekt ist Teil des abteilungsübergreifenden Querschnittsthemas »Gesprochenes Deutsch« am IDS. Es kooperiert eng mit den Projekten Korpusgrammatik, Grammatischer Wandel im neusten Deutsch und Methoden der Grammatikforschung.

Literatur

Bubenhofer, Noah/Konopka, Marek/Schneider, Roman (2013): Präliminarien einer Korpusgrammatik. Unter Mitwirkung von Caren Brinckmann, Katrin Hein und Bruno Strecker. (= Korpuslinguistik und interdisziplinäre Perspektiven auf Sprache (CLIP) 4). Tübingen: Narr.

Deppermann, Arnulf/Kleiner, Stefan Kleiner/Knöbl, Ralf (2013): "Standard usage": towards a realistic conception of spoken standard German. In: Javier Caro Reina, Peter Auer und Göz Kaufmann (Hrsg.): Language variation. European perspectives 4.: selected papers from the 6. International Conference on Language Variation in Europe (ICLaVE 6), Freiburg, June 2011. Amsterdam: John Benjamins, 83–116.

Fuß, Eric/Konopka, Marek/Wöllstein, Angelika (2017): Perspektiven auf syntaktische Variation. In: Konopka, Marek/Wöllstein, Angelika (Hrsg.): Grammatische Variation. Empirische Zugänge und theoretische Modellierung. Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2016. XVI/356 S. - Berlin/Boston: de Gruyter.

Fuß, Eric/Konopka, Marek/Wöllstein, Angelika (Hrsg.) (2019): Grammatik im Korpus. Korpuslinguistisch-statistische Analysen morphosyntaktischer Variationsphänomene. (= Studien zur Deutschen Sprache 80). Tübingen: Narr.

Hansen-Morath, Sandra/Wolfer, Sascha (2017): Standardisierte statistische Auswertung von Korpusdaten im Projekt “Korpusgrammatik” (KoGra-R). In: Konopka, Marek / Wöllstein, Angelika (Hrsg.).

Konopka, Marek/Wöllstein, Angelika (Hrsg.) (2017): Grammatische Variation. Empirische Zugänge und theoretische Modellierung. Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2016. XVI/356 S. - Berlin/Boston: de Gruyter.

Pröll, Simon (2020): Standarddeutsch als natürliche Sprache. Mikrostrukturelle Studien zu Entstehung, Erwerb, Variation und Modalität. Habilitationsschrift, Universität Zürich.