Sprachforum


Dr. Heidrun Kämper:
"Es ist doch nirgendwo so interessant wie heute und hier!" Sprache und Gegenwartsbewusstsein in der frühen Nachkriegszeit


Zusammenfassung:

Bis 1949 heißt Gegenwartsbewusstsein Nachkriegsbewusstsein. Zeitgenossen bewerten die Zeit, in der sie leben, nach "Zusammenbruch" bzw. "Befreiung", nach der Zerstörung von Existenzen, Städten und Seelen. Die Referentin fragt zum einen danach, wie Gegenwartsbewusstsein in den Jahren 1945 bis 1949 in Sprache gefasst wird. Rekonstruiert werden sollen Einstellungen zur Gegenwart, welche die Interpretationselite äußert: Sie bringt eine nicht zuletzt von ihrem eigenen Selbstverständnis geprägte Haltung zum Ausdruck. Dabei werden z.T. widersprüchliche Gegenwartskonzepte aufgedeckt. Gefragt wird zum anderen, warum die Interpretationselite der frühen Nachkriegszeit ihre Gegenwart so bewertet. Dazu werden die Funktionen der unterschiedlichen Gegenwartskonzepte im Sinn eines komplexen Argumentationsmusters beschrieben.