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A) Laut-Buchstaben-Zuordnungen (einschließlich Fremdwortschreibung)

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Einschneidende Maßnahmen, die das historisch gewachsene Schriftbild der deutschen Sprache verändert hätten, sind nicht vorgenommen worden. Frühere Vorschläge sind oft eben daran gescheitert. Die neue Regelung konzentriert sich darauf, Verstöße gegen das Stammprinzip zu beseitigen. Sie verfolgt also das Ziel, die gleiche Schreibung eines Wortstammes möglichst in allen Wörtern einer Wortfamilie sicherzustellen. Entscheidend dabei ist, ob ein Wort im heutigen Sprachgebrauch einer Wortfamilie zugeordnet wird oder nicht.


Einzelfälle mit Umlautschreibung

alte Schreibung         neue Schreibung
behende                 behände (zu Hand)
belemmert               belämmert (heute zu Lamm)
Bendel                  Bändel (zu Band)
Gemse                   Gämse (zu Gams)
Quentchen               Quäntchen
                        (heute zu Quantum)
schneuzen               schnäuzen (zu Schnauze,
                        großschnäuzig)
Stengel                 Stängel (zu Stange)
überschwenglich         überschwänglich
                        (zu Überschwang)
verbleuen               verbläuen (heute zu blau)
aufwendig               aufwendig (zu aufwenden) oder
                        aufwändig (zu Aufwand)
Schenke                 Schenke (zu ausschenken) oder
                        Schänke (zu Ausschank)
Wächte "Schneewehe"     Wechte
                        (nicht zu wachen)
aber weiterhin: Eltern (trotz alt)

Einzelfälle mit Verdopplung des Konsonantenbuchstabens nach kurzem Vokal

alte Schreibung         neue Schreibung
Karamel                 Karamell (zu Karamelle)
numerieren              nummerieren (zu Nummer)
plazieren (placieren)   platzieren (zu Platz)
Stukkateur              Stuckateur (zu Stuck)
Tolpatsch               Tollpatsch (heute zu toll)

ss für ß nach kurzem Vokal

Zur Sicherstellung der gleichen Schreibung der Wortstämme wird auch der Wechsel von ss zu ß nach kurzem Vokal aufgehoben und konsequent ss geschrieben, also Wasser/wässerig/wässrig oder müssen/er muss.

Hingegen bleibt ß in Wörtern wie Maß, Muße und Straße erhalten und kennzeichnet nunmehr eindeutig die Länge des vorausgehenden Vokals oder einen Doppellaut vor stimmlosem s-Laut (draußen, beißen).

Die bisher daß geschriebene Konjunktion wird jetzt - entsprechend der allgemeinen Regel, dass nach kurzem Vokal ss steht - dass geschrieben. Damit bleibt die Unterscheidung gegenüber dem Artikel beziehungsweise dem Relativpronomen das erhalten.

alte Schreibung         neue Schreibung
hassen - Haß            hassen - Hass
küssen - Kuß,           küssen - Kuss,
sie küßten sich         sie küssten sich
lassen - er läßt        lassen - er lässt
müssen - er muß         müssen - er muss
Wasser -                Wasser -
wässerig - wäßrig       wässerig - wässrig
daß                     dass

Erhalt der Stammschreibung in Zusammensetzungen

Wenn in Zusammensetzungen drei gleiche Konsonantenbuchstaben zusammentreffen (Ballett + Truppe, Ballett + Tänzer), werden stets alle geschrieben, also nicht nur wie bisher in Fällen wie Balletttruppe, sondern auch in Fällen wie Balletttänzer (bisher Ballettänzer, bei Trennung jedoch Ballett-tänzer).
Die Schreibung mit Bindestrich ist immer möglich.

alte Schreibung         neue Schreibung
Flanellappen            Flanelllappen
Flußsand                Flusssand
Ballettänzer            Balletttänzer
Stoffetzen              Stofffetzen
usw.                    (wie bisher schon Balletttruppe usw.)
aber weiterhin dennoch,
Drittel, Mittag

Entsprechend bleibt auch bei der Endung -heit ein vorausgehendes h erhalten: Rohheit (zu roh), Zähheit (zu zäh) statt Roheit und Zäheit. Neben selbständig ist auch selbstständig (selbst + ständig) möglich.

alte Schreibung         neue Schreibung
Roheit                  Rohheit (zu roh)
Zäheit                  Zähheit (zu zäh)
Zierat                  Zierrat (wie Vorrat)
selbständig             selbständig/selbstständig

Systematisierung in Einzelfällen

Die Schreibung von bisher rauh und Känguruh wurde geändert zu rau (vgl. die Adjektive auf -au wie blau, grau, genau, schlau) beziehungsweise zu Känguru (vgl. andere fremdsprachige Tierbezeichnungen wie Emu, Gnu, Kakadu).

alte Schreibung         neue Schreibung
rauh                    rau
                        (wie grau, schlau usw.)
Känguruh                Känguru
                        (wie Gnu, Kakadu usw.)

Entsprechend dem zugrunde liegenden Substantiv auf -anz oder -enz ist die Schreibung mit z (essenziell usw.) die Hauptform. Die bisherige Schreibung mit t (essentiell usw.) bleibt als Nebenform bestehen.

alte Schreibung         neue Schreibung
essentiell              essenziell (zu Essenz), auch
                        essentiell
Differential            Differenzial (zu Differenz), auch
                        Differential
differentiell           differenziell (zu Differenz), auch
                        differentiell
Potential               Potenzial (zu Potenz), auch
                        Potential
potentiell              potenziell (zu Potenz), auch
                        potentiell
substantiell            substanziell (zu Substanz), auch
                        substantiell

Fremdwörter bereiten wegen ihrer fremden Laut-Buchstaben-Zuordnungen oft besondere orthographische Schwierigkeiten. Im Widerstreit stehen der Respekt vor der fremden Sprache einerseits und die Loyalität gegenüber der Muttersprache andererseits. Angleichungen in der Schreibung (und in der Aussprache) haben seit jeher stattgefunden, betreffen im Normalfall aber nur häufig gebrauchte Wörter des Alltagswortschatzes.

Weitere Angleichungen kamen daher nur in Betracht und sind in der Regel nur dann vorgenommen worden, wenn eine Entwicklung bereits angebahnt war. So lässt sich beispielsweise die in den Wortstämmen phon, phot und graph bereits vorhandene f-Schreibung für ph auf weitere Beispiele ausdehnen. Auf eine forcierte Angleichung über diese Wortstämme hinaus wurde jedoch verzichtet. Wörter wie Philosophie, Phänomen, Metapher oder Sphäre sollen weiterhin wie bisher geschrieben werden.

War eine integrierte Schreibung schon bisher bei den meisten Wörtern einer Gruppe vorhanden (etwa die Schreibung -ee statt oder -ée: Allee, Komitee, Resümee usw.), so wird diese für alle übrigen Wörter nun als zweite zulässige Schreibung zugelassen oder ist sogar bevorzugte Variante. Das gilt auch für Wörter mit den Stämmen phon/fon, phot/fot, graph/graf (bisher schon: Fotografie, Grafik, Mikrofon usw.).

Die Eindeutschung von Fremdwörtern ist zwar für jeden gewöhnungsbedürftig, doch ist dieser Schritt sinnvoll, weil die deutsche Sprache wie jede andere Sprache seit jeher das Bestreben hat, sich Fremdes zu Eigen zu machen. Im Verlaufe der Sprachgeschichte sind auf diese Weise Tausende aus anderen Sprachen übernommene Wörter zu heimischen Wörtern (Lehnwörtern) geworden: Aus älterer Zeit gehören dazu etwa Esel, kaufen, Kohl, Münze, pflanzen, Senf, Straße oder Tisch, aus jüngerer Zeit beispielsweise Bluse, Bombe, Dekan, Mais, Muster, Scheck, Streik oder Tasse. In der Regel tritt die neue Schreibung als fakultative Nebenform zunächst neben die bisherige Schreibung. Dieses Verhältnis kann sich mit wachsender Vertrautheit auch allmählich umkehren, was vor allem bei Alltagswörtern oft der Fall ist.

Die Änderungen betreffen im Einzelnen die folgenden Gruppen, deren wesentliche Fälle hier aufgeführt sind:

alte Schreibung         neue Schreibung
ai                      ai oder ä 
Frigidaire              Frigidaire, auch Frigidär
                        (als Warenzeichen Frigidaire)
Necessaire              Necessaire, auch Nessessär
                        (wie bisher schon Mohär, Sekretär, Militär,
                        Majonäse, Polonäse usw.)
ph                      ph oder f
quadrophon              quadrophon, auch quadrofon
Photometrie             Fotometrie, auch Photometrie
Geographie              Geographie, auch Geografie
Graphologe              Graphologe, auch Grafologe
Orthographie            Orthographie, auch Orthografie
Megaphon                Megaphon, auch Megafon
                        (wie bisher schon Mikrofon, Fotografie,
                        Grafik usw.)
Delphin                 Delphin, auch Delfin
                        (wie bisher schon fantastisch)
gh                      gh oder g
Joghurt                 Joghurt, auch Jogurt
Spaghetti               Spaghetti, auch Spagetti
                        (wie bisher schon Getto, Finn-Dingi usw.)
é und ée                é/ée oder ee
Bouclé                  Bouclé, auch Buklee
Exposé                  Exposee, auch Exposé
Kommuniqué              Kommuniqué, auch Kommunikee
Varieté                 Varietee, auch Varieté
Chicorée                Chicorée, auch Schikoree
                        (wie bisher schon Allee, Armee, Komitee,
                        Resümee, Dragee, Haschee usw. )
qu                      k
Kommuniqué              Kommuniqué, auch Kommunikee
                        (wie bisher schon Etikett, Likör usw.)
ou                      ou oder u
Bouclé                  Bouclé, auch Buklee
                        (wie bisher schon Nugat)
ch                      ch oder sch
Ketchup                 Ketschup, auch Ketchup
Chicorée                Chicorée, auch Schikoree
                        (wie bisher schon Anschovis, Broschüre,
                        Haschee, retuschieren, Scheck, Sketsch,
                        transchieren usw.)
rh                      rh oder r
Katarrh                 Katarrh, auch Katarr
Myrrhe                  Myrrhe, auch Myrre
Hämorrhoiden            Hämorrhoiden, auch Hämorriden
c                       c oder ss
Facette                 Facette, auch Fassette
Necessaire              Necessaire, auch Nessessär
                        (wie bisher schon Fassade, Fasson,
                        Rasse usw.)
th                      th oder t
Panther                 Panther, auch Panter
Thunfisch               Thunfisch, auch Tunfisch
Hinzu kommt als
Einzelfall:
Portemonnaie            Portmonee, auch Portemonnaie

Anmerkung der WWW-Redaktion: Ausführliche Informationen zu Laut-Buchstaben-Zuordnungen enthält das entsprechende Kapitel der Hypertextversion des amtlichen Regelwerks. [Pfote]

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