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Variation des gesprochenen Deutsch: Standardsprache – Alltagssprache

"Das Deutsche ist wahrscheinlich die vielgestaltigste Sprache Europas"

(Barbour, Stephen/Stevenson, Patrick 1998, Variation im Deutschen - Soziolinguistische Perspektiven, S.2)

Die deutsche Sprache ist in ihrer gesprochenen Form auch gegenwärtig noch äußerst variationsreich und vielfältig. Von manchen Linguisten wird sie sogar als "die vielgestaltigste Sprache Europas" (s.o.) angesehen. Verschiedene regionale, sprechsprachliche, situationstypische, stilistische u.a. Gebrauchsvarianten bilden das Alltagsdeutsch, das sich in vielen Aspekten von dem in Wörterbüchern und Grammatiken kodifizierten Standarddeutsch unterscheidet.

Es besteht daher ein großer Bedarf an der Klärung von Fragen der Variation, z.B. bei Auslandsgermanisten (DaF), die bei Besuchen in deutschsprachigen Ländern erstmals mit diesen Sprachvarianten konfrontiert werden. Aber auch bei Muttersprachlern entstehen häufig Fragen in Bezug auf den Gebrauch und die Bewertung von Varianten in der Standardsprache. Ein Nachschlagewerk, z.B. ein Variantenwörterbuch, das umfassende und verlässliche Informationen über weitverbreitete Varianten im gesprochenen Deutsch anbietet, gibt es jedoch bisher nicht. Das Projekt "Variation des gesprochenen Deutsch" hat das Ziel, die in diesem Bereich vorhandenen Forschungsdefizite empirisch aufzuarbeiten. Es zielt auf eine systematische Untersuchung der Variation in der gesprochenen Standardsprache, wie sie sich in der Alltagssprache manifestiert. Schwerpunkt der Beschreibung ist die lautliche Ebene.

Die empirische Grundlage des Projekts ist das in den Jahren 2006-2009 von Projektmitarbeitern erhobene Korpus Deutsch heute, das aus 671 Sprachaufnahmen mit Sprecherinnen und Sprechern der jüngeren Generation (Oberstufenschüler an Gymnasien) sowie 158 Personen der Generation 50+ besteht, die flächendeckend an 192 Orten im ganzen deutschen Sprachraum gemacht wurden. Gegenwärtig (Stand Mai 2012) laufen die Auswertungen, so dass in Kürze die ersten Projektergebnisse im Internet auf einer Wiki-Plattform publiziert werden können. Die Sprachdaten werden dabei schwerpunktmäßig in ihrer diatopischen Variation über Sprachkarten visualisiert, mit Tonbeispielen ergänzt und fachlich kommentiert.

Die folgenden Sprachkarten sind Ergebnisse einer früheren Projektphase, in der 43 Interviews mit Studierenden aus dem Mitte der 1970er Jahre erhobenen sogenannten König-Korpus bezüglich bestimmter Erscheinungen in der Spontansprache untersucht wurden. Dieselben Phänomene werden u.a. auch Untersuchungsgegenstand bei der Auswertung des Deutsch heute-Korpus sein, so dass für die alten Bundesländer die Möglichkeit besteht, durch den Vergleich der beiden Korpora mögliche Sprachwandelerscheinungen in jüngerer Zeit zu dokumentieren.

nicht/nich/net-Variation (zum Vergrößern die Karte bitte anklicken)    e-Synkope in <ge-> (zum Vergrößern die Karte bitte anklicken)    ist/is-Variation (zum Vergrößern die Karte bitte anklicken)    Spirantisierung <-gt> (zum Vergrößern die Karte bitte anklicken)    "eine", unbest. Artikel (zum Vergrößern die Karte bitte anklicken)

(zum Vergrößern die Karten bitte anklicken)


Im Zuge einer Präsentation des Projekts auf dem Wissenschaftssommer 2007 in Essen wurde ein Ratespiel programmiert, in dem kurze Passagen aus dem Spontanmaterial des Deutsch heute-Korpus aufgrund der regionalen Sprachmerkmale ihren Herkunftsorten zugeordnet werden müssen: Hör mal, wo der spricht kann seitdem auch online gespielt werden.

Projektleitung: Prof. Dr. Arnulf Deppermann <deppermann@ids-mannheim.de>

Mitarbeiter: Dr. Mechthild Elstermann, Dr. Stefan Kleiner, Dr. Ralf Knöbl, Dr. Dipl. Math. Rudolf Schmidt