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Jahrestagungen

Sprache - Sprachwissenschaft - Öffentlichkeit

34. Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache

10.-12. März 1998

Seit Jahren produziert die Sprachwissenschaft, besonders die germanistische Linguistik, eine kaum abnehmende Flut von Veröffentlichungen, von denen aber in Deutschland nur ein kleiner Teil öffentlich wahrgenommen, also auch außerhalb der linguistischen Fachszene rezipiert wird. Dabei geht es der Linguistik kaum anders als einer Reihe weiterer Wissenschaften und ihren Spezialdisziplinen, deren Themen und Resultate in der Öffentlichkeit nur selten Beachtung finden.

Der geringen öffentlichen Anteilnahme an aktuellen Forschungsfragen und Ergebnissen der Linguistik steht hierzulande ein durchaus verbreitetes Interesse an Sprache und Sprachlichem gegenüber, das sich unter anderem in regem Absatz von Wörterbüchern und populären Sprachratgebern, in Leserbriefen und Zeitungsglossen zu sprachlichen Themen und in einer Vielzahl von Anfragen an Sprachberatungsstellen manifestiert. Sprachinteresse und -bewusstsein äußern sich auch in der politischen Diskussion, etwa durch öffentliche Kritik am Sprachgebrauch des jeweiligen politischen Gegners oder in Klagen über einen Verfall der deutschen Sprache und der Forderung nach besserer Spracherziehung. Öffentliches Interesse an Sprache und öffentliche Meinung über Sprache sind nahe liegend, da Öffentlichkeit sich vor allem sprachlich konstituiert und auch Politik im Wesentlichen sprachliches Handeln ist.

Bei der Jahrestagung des IDS im März 1998 soll das Verhältnis zwischen dem Sprachinteresse der Öffentlichkeit und den forschungsleitenden Interessen der (germanistischen) Linguistik erörtert werden. Dabei sollen gerade auch die Diskrepanzen zwischen den innerwissenschaftlichen Orientierungen und den außerfachlichen Erwartungen an die Linguistik in den Blick genommen und Möglichkeiten zu ihrer (wenigstens partiellen) Überwindung diskutiert werden.

Geplant ist, das Tagungsthema unter folgenden Aspekten zu behandeln:

  1. Wie sieht die Öffentlichkeit Sprache, und was erwartet sie von der Linguistik?
    Darunter Teilfragen wie:

    • Was bewegt "die Leute"?
    • Was interessiert die Medien?
    • Was braucht die Schule?
    • Was erwarten Politik und öffentliche Verwaltung?
    • Was könnte für die Wirtschaft nützlich sein?
    • Welchen besonderen Bedarf hat die Auslandsgermanistik?
  2. Wie sieht die Linguistik ihre Forschungen im Hinblick auf die Öffentlichkeit?
    Darunter Teilfragen wie:

    • Wie ist dieses Verhältnis in der neueren Wissenschaftsgeschichte gesehen worden?
    • Für wen forschen die Linguisten heutzutage?
    • Für wen soll Grammatik erforscht werden?
    • Für wen soll Wortschatz erforscht werden?
    • Für wen soll Sprachpraxis erforscht werden?
  3. Welche Wirkungen hat die neuere Linguistik in der Öffentlichkeit gezeitigt?
    Beispiele:

    • Rechtschreibforschung
    • Feministische Sprachkritik
    • Fachsprachenforschung
    • Medienkritik
  4. Wie und wieweit kann der Gegensatz zwischen öffentlichem Bedarf an praxisrelevanter Sprachforschung und den Bedenken vieler Linguisten gegenüber vorschnellen Verwertungserwartungen überwunden werden?

Angesichts des Themas wollen die Linguisten gerade bei dieser Tagung nicht unter sich bleiben. Daher beteiligen sich sprachinteressierte Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Bereiche der `Öffentlichkeit', also u.a. aus Politik, Medien, Schule und Wirtschaft. Außerdem sollen Vertreter benachbarter Fächer (Literaturwissenschaft, Soziologie, Geschichtswissenschaft) zur generellen Frage nach dem Nutzen der Geisteswissenschaften zu Wort kommen.

Tagungsort
Bürgersaal
Stadthaus Mannheim
N1, am Paradeplatz
Mannheim
Anmeldung
Institut für Deutsche Sprache
- Jahrestagung 1998 -
Postfach 101621
68016 Mannheim