Jahrestagungen
Dagmar Frohning
(Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Germanistik)
Der universelle Kausalmarker weil: Korpusbasierte Evidenzen
Abstract
Die Konjunktion weil gilt als Prototyp unter den Kausalmarkern. Sowohl psycholinguistische Daten als auch die Entwicklungstendenzen in der deutschen Gegenwartssprache legen diese Hypothese nahe, deren empirische Dimension allerdings kaum erfasst ist und in den meisten Untersuchungen dem Interesse für die Spezifik von weil weicht.
Die Ergebnisse einer Korpusanalyse zeigen nun, dass das Spezifische von weil in seinem generischen Funktionsprofil liegt: Die Konjunktion profiliert sich im schriftsprachlichen Gebrauch vor allem durch hohe Vorkommenswahrscheinlichkeit in besonders vielen typischen Gebrauchsdomänen anderer Marker. Eine weil-spezifische Gebrauchsdomäne wird dagegen nicht evident. Insgesamt umfasst die Korpusanalyse 10 Kausalmarker des Deutschen (nämlich, denn, daher, darum, deshalb, deswegen, weil, da, aufgrund, wegen) und ein breites Spektrum an funktionalen Variablen, darunter kognitiv relevante Linearisierungspräferenzen, einige informationsstrukturelle Faktoren und die Markierung von Subjektivität. Aus der Summe aller Einzelprofile kristallisiert sich so ein Erklärungsansatz heraus für die Variation unter den Ausdrucksmitteln zur expliziten Markierung von kausaler Information in Texten.
