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Prof. Dr. Speranta Stanescu (Bukarest)

Die rumänische Germanistik: der Blick von innen und außen

Abstract

Das Besondere der rumänischen Germanistik besteht vor allem in der eigenen, regional spezifischen Thematik, die durch die Existenz einer deutschen Sprachinsel auf rumänischem Boden bestimmt ist. Das Bestehen einer lokalen deutschsprachigen Kultur hat im Laufe der Zeit zu unterschiedlichen Schwerpunkten in Forschung und Lehre geführt. Untersucht werden neben Themen um die einheimische deutschsprachige Literatur die Vielfalt der Erscheinungsformen des Rumäniendeutschen, Interferenzen mit den Sprachen mitwohnender Ethnien sowie Probleme im muttersprachlichen (Sprach-)Unterricht.

Der Gegenstand der rumänischen Germanistik ist nicht einfach das Deutsche von außen. Es hat schon immer eine Betrachtung von innen gegeben. Gegenstand waren einerseits das Rumäniendeutsche als Muttersprache in seinen diatopischen und diastratischen Formen und in Beziehung zu den anderen auf gleichem Raum mitwohnenden Sprachen und andererseits die Bezüge des Rumäniendeutschen zum Hochdeutschen. Die Betrachtung von außen setzt erst dort an, wo das Deutsche aus der Sicht des Rumänischen als eine Fremdsprache betrachtet wird. Begriffe wie Sprachvergleich, kontrastive Sprachbeschreibung oder Interferenz werden je nach Objekt und Perspektive wissenschaftlich unterschiedlich erfasst.

Der Gegenstand von Forschung und Lehre wandelt sich heute durch die starke Auswanderung der Rumäniendeutschen mit der Folge, dass die deutsche Sprache nunmehr hauptsächlich durch Rumänen gepflegt und gefördert wird. Aus Deutsch als Muttersprache (DaM) und Deutsch als Fremdsprache (DaF) entwickelt sich eine Sprachvarietät, die, spielerisch als DaMF bezeichnet, zu neuen Forschungsansätzen und einem veränderten Lehrvorgehen anregt.