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Prof. Dr. Angelika Redder (München)

Transnationale Germanistik

Abstract

Die Disziplin der Germanistik tritt in Form einer Inlandsgermanistik und einer Auslands­germanistik in Erscheinung. Aus den damit verbundenen differenten Bedingungen leiten sich unterschiedliche Möglichkeiten und Zielsetzungen für Lehre und Forschung ab. Ein Teil dieser unterschiedlichen Fach­konstellationen wird unter "Deutsch als Fremdsprache" breiter diskutiert - 'von innen' und 'von außen'.

Es geht jedoch wissenschaftspolitisch und wissen­schaftsgeschichtlich für die Germanistik um mehr. Die veränderten politischen und ökonomischen Bedingungen in der Welt ('global') und vor allem in einem vereinten Europa stellen qualitativ neue Anforderungen an eine Selbst­bestimmung der Disziplin als Ganze.

Ein Europa der sprachlichen, literarischen und kulturellen Vielfalt, ja ein Europa, in dem das Konzept 'Nation' im Sinne einer ausschließlichen politischen Basiskategorie sich als überholt erweist, besteht die Chance und zugleich Aufgabe darin, verdeckte oder auch offene nationale Borniertheiten der Disziplin 'Germanistik' zu überwinden. Eine Germanistik der Gegenwart und Zukunft muss nach meiner Einschätzung systematisch Grenzen überschreiten. Sie muss die verschiedenen Abstraktionsebenen der Lehre und Forschung ernst nehmen und ihre Gegenstände als besondere innerhalb einer allgemeinen Vielfalt bestimmen und insofern wechselseitige Bestimmungs­momente im Konzert dieser Vielfalt einbinden.

Unter diesem Blickwinkel könnte von Deutsch als Fremdsprache ein kritischer und innovativer Impuls für die gesamte Germanistik ausgehen. Ich werde den Kern einer solchen wissenschaftlichen Modernisierung als transnationale Germanistik zu charakterisieren versuchen.

Der Name "Transnationale Germanistik" ist Programm - hinsichtlich der Gegenstände und Praxisbezüge ebenso wie hinsichtlich der Theorienbildung und Methoden­entwicklung. Die Argumentation wird drei Dimensionen enthalten: (a) eine wissenschafts­geschichtliche, (b) eine wissenschaftssystematische und (c) eine wissenschafts­politische. Mit der wissenschaftspolitischen Dimension wird zugleich der Blick auf die derzeit politisch gewollte Umstrukturierung der Geistes- und Sozialwissenschaften, ja der Wissenschaften insgesamt in den europäischen Ländern geöffnet und eine kritische Handlungs­perspektive für die Wissenschaftler selbst angedeutet.