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Prof. Dr. Giuliana Liebmann Parrinello (Rom)

Deutsch von Rom aus - Annäherungsversuche

Abstract

Deutsch wird entweder allgemein gefürchtet wegen seiner 'Schrecken' (M. Twain 2000) oder ehrfürchtig bewundert wegen seiner Regelmäßigkeit und seiner vermeintlichen 'Ursprünglichkeit' (Reichmann 1980). Es wird hier eine sanfte Annäherung an die deutsche Sprache angestrebt.

1.Themenschwerpunkt ist Deutsch als Fremdsprache an der italienischen Universität nach der neu eingeführten Reform, die nach europäischem Muster ein zweistufiges Studium von 3 und zusätzlich 2 Jahren vorsieht. Neu an den Studiengängen ist die Zweiteilung des herkömmlichen Mischfaches Lingua e letteratura tedesca in Letteratura einerseits und Lingua e traduzione andererseits. Innerhalb von Lingua e Traduzione gibt es nun auch eine autonome Reflexion über die Sprache. Sie wird im Rahmen eines Projekts der Universität Roma Tre anhand eines eigens dazu bestimmten Moduls für Anfänger als Einführung in die germanistische Linguistik praktisch erprobt. Von der italienischen Muttersprache und deren lateinischem Substrat diachronisch ausgehend, über interdisziplinäre Kenntnisse aus deutscher Sprachgeschichte, Soziolinguistik, germanischer Philologie, die den Studierenden im ersten Studienjahr sonst nicht zugänglich sind, kommt man zu einem breiteren Verständnis für lexikalische Aspekte der Gegenwartssprache.

2. Theoretische Voraussetzung ist ein europäischer Rahmen aufgrund eines allgemeinen Mehrsprachigkeitsbegriffes (schon Wandruzka 1990), und eines lange schon bestehenden "Eurolatein" (Munske und Kirkness 1996). Kontaktphänomene, wobei auch deutsche Sprachgeschichte in einer europäischen Dimension gesehen wird (Besch et al. 2000 ) und Deutsch sogar als "Mischsprache" erscheint (Munske 1988), stehen im Vordergrund. Als Leitfaden gilt die Perspektive der Europäismen und Internationalismen, an erster Stelle selbstverständlich Latein als Muttersprache Europas (Habermann 1999).

Hypothesen sowohl der kognitiven Linguistik (Schwarz 1996) als auch der Neuropsychologie der Zweisprachigkeit, die lexikalische Aspekte hervorheben, rechtfertigen dieses Experiment.

3. Praktische Anwendung.
Es werden zuerst sowohl Latinismen aus den verschieden Wellen (Habermann 1999) und Italianismen (Schmöe 1998) im Deutschen, als auch Germanismen (Dardano 1991) und sogar Langobardismen (Sabatini 1964) im Italienischen analysiert, insbesondere werden aber dann moderne Europäismen und Internationalismen (Volmert 2001) in Betracht gezogen und ausgewertet, um einen gemeinsamen lexikalischen Boden zu konsolidieren.