Jahrestagungen
Prof. Dr. Martin Durrell (Manchester)
Register, Variation und Fremdsprachenvermittlung.
Zum Problem des Deutschunterrichts in Großbritannien
Abstract
1. Der Fremdsprachenunterricht in Großbritannien
Zu einer der am weitesten verbreiteten und dauerhaftesten Klischeevorstellungen bei Kontinentaleuropäern gehört die Überzeugung, dass keine Briten über Fremdsprachenkenntnisse verfügen, ja dass sie keine fremden Sprachen zu lernen brauchen. In diesem Beitrag wird gezeigt, dass die Motivation der Briten zur Erlernung fremder Sprachen bei weitem nicht so schwach ausgebildet ist, wie man in Kontinentaleuropa meint. In führenden Kreisen der Regierung und der Wirtschaft ist man langsam zur Erkenntnis gekommen, dass die Einsprachigkeit in der modernen Welt vor allem im modernen Europa nicht mehr ausreicht und dass Briten im globalen Arbeitsmarkt durch ihren Mangel an fremdsprachlichen Kompetenzen benachteiligt sind. Auch sehen viele Briten den Erwerb solcher Kompetenzen viel positiver an als früher. Jedoch wird es schwierig sein, in Ermangelung einer durchdachten nationalen Strategie im Bildungswesen in Bezug auf den Fremdsprachenunterricht, diese positive äußerliche Motivation in eine innerliche Motivation bei den betreffenden Schülergruppen umzusetzen.
2. Zu speziellen Problemen des Deutschunterrichts
Was den Deutschunterricht in Großbritannien speziell betrifft, wird hier auf besondere Probleme hingewiesen, die mit der herkömmlichen Perzeption der sprachlichen Variation im Deutschen zusammenhängen und die gelöst werden müssen, wenn Deutsch als Fremdsprache in Großbritannien nicht in der Konkurrenz mit Französisch und Spanisch benachteiligt wird. Unsere Schüler wollen Deutsch lernen, wie es gesprochen wird, nicht wie es gesprochen werden soll. Ihnen liegt vor allem zunächst an dem Erwerb brauchbarer sprachlicher Kompetenzen, die ihnen die Kommunikation mit gleichaltrigen Deutschen ermöglichen, und gerade dadurch kommen die Erfolgserlebnisse, die zum Weiterlernen ermutigen und motivieren. Dazu muss aber voll anerkannt werden, dass das Register der alltäglichen Sprechsprache der Gebildeten auch als Standardsprache zu gelten hat und dass dieses in den Lehrbüchern als solches systematisch präsentiert werden soll, wie dies für andere Fremdsprachen geschieht.
