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Dr. Göz Kaufmann (Universität Freiburg)
Verbpositionen, Korrelate, Einbettungstiefe von Nebensätzen: Unabhängige oder korrelierende Größen?
Die Frage nach der Einbettungstiefe bzw. der syntaktischen Integration von abhängigen Sätzen in Matrixsätzen beschäftigt die germanistische Linguistik seit einiger Zeit. So kommen in europäischen Varietäten des Deutschen weil-Sätze und Relativsätze mit Verbletzt- und Verbzweit-Stellung vor und Komplement- bzw. Konditionalsätze können asyndetisch gereiht werden, womit diesen Nebensätzen auch ein Hauptsatzcharakteristikum zukommt. Die Variation in der Abfolge verbaler Elemente in satzfinalen Clustern, die in der Literatur zumeist als Verb (Projection) Raising bezeichnet wird und die auch in europäischen Dialekten des Deutschen zu verzeichnen ist, wurde allerdings noch nicht mit der Frage der syntaktischen Integration in Verbindung gebracht. Anhand meines Mennoniten-Korpus soll daher der Versuch unternommen werden, herauszufinden, ob die verschiedenen Abfolgen als Indikator für die Integration von abhängigen Sätzen taugen. Ein Hinweis darauf, daß dem so sein könnte, ist darin zu sehen, daß verschiedene Typen von Korrelaten bei einem der Abfolgetypen, dem sogenannten Verb Raising, besonders häufig vorkommen. Und Korrelate werden sowohl in eher traditionellen Grammatiken wie dem Duden als auch in der generativen Syntax als Zeichen syntaktischer Desintegration gewertet.
Literatur
Kaufmann, Göz (2007). "The Verb Cluster in Mennonite Low German: A new approach to an old topic". In: Linguistische Berichte 210 S. 147-207.
Kaufmann, Göz (2008). "Where Syntax meets Morphology: Varianten des bestimmten Artikels und die Variation satzfinaler Verbcluster im Plattdeutschen texanischer Mennoniten". In: Patocka, Franz / Seiler, George (Hrsg.). Dialektale Morphologie, dialektale Syntax: Beiträge zum 2. Kongress der IGDD. Wien, Praesens, S. 87-119.
Donnerstag, 6. Mai 2010, 14.00 Uhr
Institut für Deutsche Sprache
R 5, 6-13, Mannheim, Vortragssaal
