Sprachpolitik
Was will der Deutsche Sprachrat?
Gemeinsame Erklärung von
Prof. Dr. Rudolf Hoberg (Gesellschaft für deutsche Sprache),
Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger (Institut für Deutsche Sprache) und
Prof. Dr. Jutta Limbach
(Goethe-Institut Inter Nationes) (siehe Foto v.l.n.r.)
vom 28. Juli 2003.
Information, Aufklärung, Dokumentation und Diskussion
Der Deutsche Sprachrat sieht es als seine Aufgabe an, durch Sensibilisierung des
Sprachbewusstseins die Sprachkultur im Inland zu fördern, sowie die Stellung
der deutschen Sprache im Ausland zu festigen. Dies will er durch Sprachkultivierung
im Sinne von Information, Aufklärung, Dokumentation und Diskussion über
Sprache erreichen.
In Zusammenarbeit mit den sprachgebundenen Medien sucht der Deutsche Sprachrat auf eine vermehrte öffentliche Sprachkritik und auf eine entwickelte Kritikfähigkeit vieler Menschen hinzuwirken, und zwar möglichst anhand von konkreten Anlässen, bei denen falsche oder unangemessene Ausdruckswahl zu Unverständnis, Fehlinformation oder Verärgerung führen. Der Sprachrat wird auch Bemühungen unterstützen, besonders gelungenen, kreativen Sprachgebrauch in der Öffentlichkeit als vorbildlich herauszustellen.
Zusammenarbeit mit Institutionen im In- und Ausland
Der Deutsche Sprachrat sucht hierbei die Zusammenarbeit mit Institutionen und Organisationen
für die deutsche Sprache im In- und Ausland, um eine bessere Vermittlung und Umsetzung
von Wissen über die deutsche Sprache und über Sprache allgemein zu bewirken und
somit zur Reflexion über Sprache und Sprachgebrauch beizutragen.
An dieser Vermittlung beteiligt er sich mit seinen eigenen Auskunfts- und Beratungsdiensten.
Deutsch in der Schulbildung
Die stärkste sprachliche Prägung erfahren Kinder durch den Spracheinfluss in der Familie
und in der Schule. Der kindliche Spracherwerb in der Familie ist nur indirekt über das
Sprachwissen der Eltern zu beeinflussen. Der Deutsche Sprachrat wendet sich mit seinen Empfehlungen
daher auch an die Schulen. Ziel des schulischen Deutschunterrichts im Inland muss eine mündliche
und schriftliche Sprachkompetenz sein, die zur vollen Beteiligung am gesellschaftlichen Leben befähigt.
Deutsch soll in allen Schularten und auf allen Klassenstufen als Hauptfach unterrichtet werden und auch in
den beruflichen Ausbildungseinrichtungen eine bedeutende Rolle einnehmen.
Erst- und Zweitsprachenkompetenz
Der Fremdsprachenunterricht trägt zum Erhalt der europäischen Sprachenvielfalt und mittelbar
auch zum Verständnis der eigenen Sprache bei. Der Deutsche Sprachrat unterstützt die
Bemühungen um den Beginn des Fremdsprachenunterrichts schon in der Grundschule. Ziel ist
die mündliche und schriftliche Handlungsfähigkeit möglichst vieler Deutscher
in zwei europäischen Fremdsprachen sowie Lesekompetenz und Hörverständnis in
weiteren Sprachen. Nachbarschaftssprachen sollen im schulischen Sprachenangebot besonders
berücksichtigt werden.
Mit Blick auf die Themen Zuwanderung und sprachliche Integration möchte der Deutsche Sprachrat zur Entwicklung einer pädagogischen und sprachdidaktischen Gesamtkonzeption beitragen, welche die Herkunft und die Ausgangssprache der Lernenden berücksichtigt und ihren persönlichen Migrations- und Lebensbedingungen gerecht wird. Er wird sich unmittelbar als Beratungsinstanz politischer Entscheidungsträger anbieten.
Deutsch in der internationalen wissenschaftlichen Kommunikation
Deutsche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sollen - wo es im Interesse der
internationalen Fachkommunikation angebracht ist - weiterhin auf Englisch publizieren.
Gleichzeitig ermutigt der Deutsche Sprachrat Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen
in Deutschland zu einer entwickelten Zwei- oder Mehrsprachigkeit, um zu gewährleisten,
dass auch im Interesse ihrer wissenschaftlich interessierten deutschsprachigen Mitbürger
und Mitbürgerinnen, nach wie vor auf Deutsch publiziert und referiert wird und Deutsch
als Fachsprache weiterentwickelt wird.
Deutsch als Fremdsprache
Die Festigung der Stellung der deutschen Sprache im Ausland ist ein Kernanliegen des
Deutschen Sprachrats. Dieses Ziel verfolgt der Deutsche Sprachrat im Bewusstsein eines
Systems von Wechselwirkungen: Die Wahrnehmung der deutschen Sprache im Ausland beginnt
im Inland. Der Gebrauch der deutschen Sprache im Inland strahlt in die Sprachvermittlung
und das Erleben der deutschen Sprache im Ausland aus, so wie die Wahrnehmung von Deutsch
im Ausland immer wieder Rückwirkungen auf die Auseinandersetzung mit unserer Sprache
im Inland haben wird.
Politikberatung
Im Interesse von Deutsch als der sprecherstärksten Muttersprache der EU unterstützt
der Deutsche Sprachrat die Bundesregierung aktiv in deren Bemühungen, der Tendenz zur
arbeitspraktischen Einsprachigkeit bei den europäischen Behörden und den Organen
der Europäischen Union entgegenzuwirken.
Zentrale Instanzen zur Entscheidung und Ausführung staatlicher Sprachenpolitik gibt es in Deutschland nicht, dennoch sind einsichtige und wirksame Verfahren gesamtstaatlicher sprachenpolitischer Willensbildung gegeben. Der Deutsche Sprachrat bietet sich den verschiedenen mit sprachenpolitischen Fragen befassten Stellen in Bund und Ländern als Beratungsorgan und Forum zur Erörterung und fachlichen Abstimmung an.
Von verschiedenen Organisationen und einzelnen Personen ist in den letzten Jahren immer wieder ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache gefordert worden, etwa analog den Sprachgesetzen in Frankreich und Polen. Der Deutsche Sprachrat betrachtet gesetzliche Maßnahmen als ungeeignet für die Förderung einer positiven Weiterentwicklung der deutschen Sprache.
Deutscher Sprachrat
Vorsitz: Prof. Dr. Jutta Limbach
Mehr Informationen über den Deutschen Sprachrat finden Sie im Internet: http://www.deutscher-sprachrat.de
