Veranstaltungen
Ausstellung Rita Eller + Ulla Windheuser-Schwarz
24.10.2011 – 27.2.2012
Rede zur Eröffnung am 24. Oktober 2011
Der Direktor des IDS eröffnet mit den beiden Künstlerinnen die Ausstellung
Ulla Windheuser-Schwarz
Die Idee zur Durchführung dieser Ausstellung ergab sich dadurch, dass wir -meine Kollegin Rita Eller und ich- bei einer Ausstellungsbeteiligung auffällige Übereinstimmungen bei den Inhalten unserer künstlerischen Auseinandersetzung feststellten – Briefe, Schriftstücke, Schriftzeichen u.ä. mehr.
Bevor ich etwas zu meiner Arbeit sage, darf ich mich kurz vorstellen. Ulla Windheuser-Schwarz, in Linz am Rhein geboren, Studium an der FH Kunst+Design in Köln (ehemals Kölner Werkschulen) mit Diplomabschluß, Mitglied im BBK Berufsverband Bildender Künstler Rheinland-Pfalz und hier lange Jahre im Vorstand tätig, seit zwei Jahren Vorstandsmitglied im BBK-Bundesverband, Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, zahlreiche Projekte Kunst am Bau insbesondere skulpturale Objekte bzw. Skulpturen.
Meine derzeit im Institut für Deutsche Sprache ausgestellten Bilder entstanden initial im gelebten Dialog zwischen Orient und Okzident – 20 Jahre lang bis ins Jahr 2009 lebte und arbeitete ich wechselseitig hier und dort mit Künstlern aus Aserbaidschan. Dialog beschränkte sich dabei selbstverständlich nicht nur auf die entsprechenden gesprochenen oder geschriebenen Sprachen, sondern eine kulturelle Korrespondenz wurde durch die unterschiedlichen ästhetischen Positionen und die räumlichen Unterschiede eröffnet.
Worte, Briefe und die Poesie der kulturellen Unterschiede, Chiffren in jeglicher Deutungsoffenheit, universelle Axiome spielen in meiner künstlerischen Arbeit eine entscheidende Rolle. Schriftzeichen, die keiner ausgebildeten Sprache entstammen – kalligraphische Elemente, die eine individuelle Mystifizierung oder Identifikation darstellen – Farbe als Assoziationsfeld - bilden mein Gestaltungsvokabular. Die Kompatibilität mit einer individuellen Spiritualität ist sicher nicht unwesentlich bei meinen Gestaltungsprozessen.
Meine in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten entstanden in den Jahren 1999 bis 2011, es sind durchweg Ausschnitte einzelner Werkzyklen. Bei allen Bildern handelt es sich um Ölfarbenmalereien auf Leinwand, teilweise partiell collagiert.
Rita Eller
Zunächst möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Rita Eller. Ich bin in
Mülheim-Kärlich bei Koblenz geboren. Habe in Koblenz und nach dem Umzug
1977 nach Mainz zunächst im Büro gearbeitet. Während dieser Berufstätigkeit begann ich
mit der Malerei, orientierte mich beruflich nochmal um und habe Grafik-Design an der
FH in Wiesbaden studiert. Dieses Studium habe ich 1992 abgeschlossen.
Seitdem bin ich als freiberufliche Malerin im eigenen Atelier in Mainz tätig.
Seit 1998 gibt es viele Ausstellungen. Ich bin Mitglied im BBK Rheinland-Pfalz
und seit 2009 bin ich auch Mitglied in der GEDOK Köln.
Meine Bilder entstehen vorwiegend auf Papier. Mich reizt die Flexibilität des Papiers, es ist beweglich, reagiert sensibel. Ich schichte meine Arbeiten, überlagere mit Farbe und nutze auch Papiere als Collage. Hier reiße ich die Papiere, die unterschiedlicher Art und Qualität sind, ich nehme auch genutzte Papiere, dadurch entstehen unterschiedliche Formen, Farben und Strukturen, ich kommuniziere mit "meinem Gegenüber", das Papier "redet" mit mir.
Die Themen sind zum Teil freie Themen, ich arbeite aber auch sehr gerne mit Literatur, bevorzuge Lyrik. Ich nehme den Text, schreibe ihn, mit der rechten und mit der linken Hand, um den Text besser verinnerlichen zu können. Durch die immer freier werdende Bewegung des Schreibens löse ich mich vom konkreten Inhalt des Geschriebenen. Der Text wird kaum noch lesbar. In die meist noch nasse Farbe schreibe, ritze und zeichne ich. Ich arbeite mit Acryl. Der Vorteil von Acryl ist, dass es schnell trocknet, dadurch kann ich schneller und unmittelbarer arbeiten. Es entstehen abstrakte Zeichen, vom Geschriebenen sind nur noch Spuren zu erkennen Zeichen und Zeichnungen überlagern sich, dringen durch die Farbschichten und Collagen in veränderter Form an die Oberfläche. Zum Teil haben die Bilder durch das Überlagern von Papier und Farbe fast einen reliefartigen Charakter.
Ein Beispiel dafür sind die Bilder Suche I + II, die gleich am Beginn unserer Ausstellung zu sehen sind. Hier habe ich mit den fragmentarischen Gedichten "An DIOTIMA" von Friedrich Hölderlin gearbeitet.
Der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka hatte 2005 die Stiftungsprofessur der Universität
Mainz inne. In einem Gespräch im Anschluss eines Konzertes, erzählte er von Luigi Nono,
italienischer Komponist des 20. Jahrh. (1924 – 1990) und von dessen Werk, ein
Streichquartett – Fragmente der Stille, Diotima, es ist zentrales Werk in Nono's Œuvre, das
1980, 10 Jahre vor seinem Tod, uraufgeführt wurde.
Das war die 1. Begegnung mit Hölderlin.
Kurze Zeit danach zeigte mir ein Kollege seine Radierungen über das Gedicht "Der Rhein"
von Hölderlin. Er war so begeistert von dem Text, dass ich neugierig wurde.
Also begegnete mir Hölderlin schon wieder und nun musste ich mich mit den Texten
beschäftigten. Mich faszinierten die Gedichte, die Fragmente, diese Sprache, es war der
lyrische Aspekt, der mich reizte, weil hier das Gefühl im Mittelpunkt steht.
Auf der Suche nach D i o t i m a
– wie Hölderlin seine Geliebte Susette Gontard nannte
– verzehrte sich Hölderlin vor Sehnsucht und Zerrissenheit in seiner unerfüllten Liebe.
Hölderlin war Hauslehrer für die Kinder der Familie Gontard und soll wohl ein Verhältnis
mit der Hausherrin begonnen haben und daraufhin musste er das Haus verlassen.
Auch hier ist meine Herangehensweise wie vorhin beschrieben. Durch die Beschäftigung
mit dem Text, mit dem Schreiben, verinnerliche ich den Text, und setze diese Gefühle
unmittelbar in Farbe und Zeichnung um. Es entsteht ein Gespinst von Linien. Die
kontrastreiche Farbgebung rot – schwarz machen die starken Emotionen deutlich.
Da war die Musik von Luigi Nono bei der Bearbeitung sehr unterstützend.
Zum Schluss möchte ich noch auf die gemeinsame Arbeit hinweisen, die Ulla Windheuser- Schwarz und ich erst vor wenigen Tagen fertiggestellt haben – "Redefluss"–. Sie dokumentiert sowohl das Gemeinsame als auch die Unterschiedlichkeit von uns beiden. Wir haben mit Bruchstücken in Worten und vorbereiteten Papieren gespielt, das Ergebnis sehen Sie hier.
Gehen Sie nun auf Entdeckungsreise, Fragen beantworten wir Ihnen gerne.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Ulla Windheuser-Schwarz und Rita Eller (v.l.n.r.) vor dem gemeinsamen Bild Redefluss
